Sachverständigenrat der deutschen Stiftungen sieht Handlungsbedarf bei der Integrationsförderung an Schulen

Das Expertengremium sieht Problemzonen und mahnt Nachhol- und Reformbedarf an.

Der Problemstau im Bildungsbereich bei Jugendlichen mit Migrationshintergrund belastet den Arbeitsmarkt und kann den sozialen Frieden gefährden. Die Migrationsverhältnisse verschärfen den Fachkräftemangel am Arbeitsmarkt und den Reformdruck auf die Sozialsysteme. Die Sachverständigen fordern eine gezielte, auch nachholende Bildungs- und Qualifikationsoffensive, die Förderung qualifizierter und bedarfsorientierter Zuwanderung sowie eine selbstkritische Auseinandersetzung mit den Motiven der zunehmenden Abwanderung von Qualifizierten.

Pressemitteilung SVR

Trotz erkennbar zunehmender Erfolge von Integration und Integrationspolitik warnt der SVR vor Euphorie; denn es gebe nach wie vor Problemzonen. Noch könne z.B. von gleichen Bildungschancen oder gar Bildungserfolgen und damit Lebenschancen von Jugendlichen mit und ohne Migrationshintergrund nicht die Rede sein.

In der Einwanderungsgesellschaft gebe es einen friedlichen und zunehmend pragmatischen Umgang mit Integration. Zugleich aber wachse an der Basis der Sozialpyramide bei zunehmender sozialer Polarisierung die Zahl perspektivloser sozialer Verlierer mit und ohne Migrationshintergrund. Die dort zunehmende aggressive Spannung könne den sozialen Frieden gefährden, während die unzureichende Qualifikation vieler Jugendlicher deren Erwerbschancen blockiere, das Arbeitskräfteangebot begrenze und den Sozialetat belaste. Nötig sei hier eine gezielte, auch nachholende Bildungs- und Qualifikationsoffensive, die auch die Vererbung der sozialen Startnachteile begrenze.

Bildungsinvestitionen sind nachhaltiger als Bankensubventionen

Aber genau hier ankere das zweite „Integrationsparadox“: Nach dem SVR-Integrationsbarometer befürworten bildungsorientierte Eltern aus Mehrheits- wie Zuwandererbevölkerung zwar durchweg Gleichberechtigung bei den Bildungschancen. Sie haben aber dennoch meist eine negative Einschätzung der Leistungsfähigkeit von Schulen mit ethnisch heterogener Schülerschaft und wollen deshalb für die eigenen Kinder nicht das ‚Risiko‘ ethnisch gemischter Schulklassen eingehen. Das gilt auch für Aufsteigerhaushalte mit Migrationshintergrund. Dieses Dilemma könne man, so die Experten, nur begrenzen, wenn sich durch innovatives Engagement, durch konzeptionelle, personelle und materielle Investitionen in heterogene Schulen deren Attraktivität erhöhe.

Das vollständige Gutachten des SVR können Sie hier nachlesen.

Den Bildungsteil finden Sie ab Seite 135.

Weitere Informationen finden Sie bei der Mercator Stiftung.

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