Bochum stellt Spielleitplanung vor und sieht vor allem im Bezirk Mitte eine Benachteiligung der Kinder

Die Stadverwaltung hat in der Sitzung am 17.06.2010 der Bezirksvrtretung Mitte den Stand der Spielleitplanung in Bochum vorgestellt. Da Sie vielleicht nicht wissen, was Spielleitplanung ist, möchte ich kurz aus dem Dokument der Verwaltung zitieren:

„Im interkommunalen Wettbewerb setzt sich mehr und mehr die Erkenntnis durch, dass neben der Sicherung der so genannten „harten“ Standortfaktoren wie Gewerbe- und Verkehrsinfrastruktur mindestens gleichwertig die „weichen“ Standortfaktoren zu betrachten sind, die sich unter den Begriff „Lebensqualität“ zusammenfassen lassen. Erweitert man diesen Anspruch noch um das Attribut der „Nachhaltigkeit“, dann kommt man zu dem Schluss, dass eine Kommune nur dann im Wettbewerb bestehen kann, wenn sie ihren Bürgern langfristig und dauerhaft, das heißt im Wandel der Generationen, eine Heimat sein kann.

Die Identifikation mit der persönlichen Heimat beginnt in der Kindheit. Die Spielleitplanung ist ein wesentlicher Baustein, um die Identifikation der Kinder und Jugendlichen mit ihrer bebauten und unbebauten Umgebung zu stärken. Sie will die Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen von Anfang an in die Stadtplanung integrieren und so deren Situation in Bochum kurz-, mittel- und langfristig verbessern.

Spielleitplanung ist eine Methode der Stadtplanung, um die Ansprüche und Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen hinsichtlich der Verfügbarkeit von Spiel- und Aufenthaltsflächen innerhalb der Planungshierarchie verbindlich festzuschreiben.“


Diese Erkenntnisse dürften aber auch auf die Schulleitplanung zu übertragen sein, denn im Wettbewerb und die Ansiedlung von Unternehmen und das Anwerben von jungen Facharbeitern oder anderen Spezialisten ins Ruhrgebiet spielt die bestehende Schullandschaft eine sicherlich noch wichtigere Rolle als das Vorhandensein von Spielplätzen. Schon aus diesem Grund sollte sich die Stadt Bochum dringend überlegen, ob sie die geplanten Schulschließungen nicht besser von der Tagesordnung nimmt und sich Gedanken darüber macht, die bestehenden Schulen zu stärken.

Schaut man sich die Zahlen an, die im Rahmen der Schulleitplanung berücksichtigt worden sind, muss man insbesondere für den Bezirk Mitte und dort speziell für die Innenstadt feststellen, dass dort der Lebensraum für Kinder einer dringenden Aufwertung bedarf.

„Das Gleisdreieck ist mit einem Versorgungsgrad von 36,0 % der Sozialraum mit der größten Unterversorgung, gleichzeitig aber einer der wenigen Sozialräume mit erwarteter steigender Anzahl von Kindern und Jugendlichen bis 2012 mit sehr dichter Bebauung und einem im Stadtvergleich schlechten Sozialstatus.“

„Auffallend ist, dass in den innerstädtischen Sozialräumen Gleisdreieck, Altenbochum und Südinnenstadt aktuell (Stand 31.12.2007) mit unter 11% und in Grumme mit 12,1% vergleichsweise wenig Kinder leben, gemessen an der Gesamteinwohnerzahl (i. d. R. zwischen 14 und 16%). Der Anteil an Einfamilienhäusern ist unterdurchschnittlich und der Sozialstaus schwankend zwischen relativ günstig bis ungünstig. Die Prognose tendenziell steigender Zahlen bis 2012 zeigt, dass es durchaus eine grundsätzliche Bereitschaft junger Familien gibt, wieder verstärkt in die Innenstadt zu ziehen.“

Während die Spielleitplanung eine Stärkung des Bezirks Mitte insbesondere des Gleisdreiecks vorschlägt, soll in der Schulleitplanung des Schulverwaltungsamtes der Berzirk Mitte mit der geplanten Schließung von 4 Grundschulstandorten noch zusätzlich geschwächt und für Familien unattraktiver gemacht werden. Dies geschieht trotz teilweise steigender Kinderzahlen insbesondere im Gleisdreieck und den Bezirken Südinnenstadt und Kruppwerke.

Hier können Sie sich die Entwicklung der Kinderzahlen bis 2012 herunterladen.
Hier finden Sie das vollständige Dokument Schulleitplanung der Stadt Bochum als PDF-Dokument zum Download.

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