PISA zeigt: Zwergschulen sind gute Schulen!

Der Bochumer Schuldezernent Michael Townsend behauptet:

„… Zwergschulen in der Großstadt ist eigentlich nicht das, was man sich aus pädagogischen und schulfach-lichen Gründen wünscht.“

(c) WDR Studio Essen 2010

Das klingt im ersten Moment recht überzeugend, doch wenn man sich das PISA Vorzeigeland Finnland anschaut, zeigt sich, dass gerade dort viele Schulen sehr klein, d.h. Zwergschulen sind:

„Die finnischen Schulen sind aufgrund der Größe des Landes und der geringen Einwohnerzahl meist klein:

Rund 60% der Schulen haben weniger als sieben Lehrkräfte, knapp 40% haben weniger als 50 Schüler.

Auch die Klassen sind kleiner als in Deutschland:

Die durchschnittliche Klassenstärke der an der PISA-Studie beteiligten Klassen betrug in Finnland 19,5 Schüler. Der landesweit erfasste Durchschnitt liegt aber weit darunter, wie man aus den obigen Schülerzahlen leicht ersieht.

Die niedrige Lerngruppenstärke ist ökonomisch nicht sehr günstig, wohl aber pädagogisch:

Gerade die schwächeren Kinder gedeihen in einer ‚intimen‘ Lernumwelt weit besser und es gibt wenig Disziplinprobleme.

Zitiert nach: Das Märchen vom PISA-Erfolg der Gesamtschule, Finnlandexpertin Thelma von Freymann über einen Vergleich zwischen Äpfeln und Birnen

Viele Bochumer Grundschulen – gerade in Gebieten mit hohem Migrantenanteil oder sozialen Konfliktfeldern, wie die Max-Greve-Schule, die Graf-von-der-Recke Schule, die Carl-Arnold-Kortum-Schule – leisten sehr gute Arbeit gerade weil sie derzeit ähnliche Bedingungen nutzen können, wie die „Vorzeigeschulen“ in Finnland. Es sind kleine überschaubare Schulen mit einer funktionierenden Schulgemeinschaft, mit kleinen Klassen, in denen sehr gut ausgebildete Lehrerinnen und Lehrer sehr individuell auf das einzelne Kind eingehen.

Die Stadt Bochum sollte stolz auf diese vorbildlichen Schulen sein und sie pflegen wie Kleinode.

Statt dessen ist geplant, diese gut funktionierenden Schulen zu schließen und dafür 500 bis 600 Schüler in die Grundschule auf der Feldsieper Straße zu „pferchen“.

Wozu dies führen kann, hat man an der Rütli-Schule in Berlin gesehen.

Wir hoffen, dass die Politiker in Bochum erkennen, dass unsere Grundschulen geschützt werden müssen. Anders als in Deutschland wird in Finnland gerade für den Grundschulbereich verhältnismäßig mehr Geld ausgegeben als für den Gymnasial- bzw. Sekundarbereich.

Wer sich über das Schulsystem in Finnland informieren möchte, dem sei dieser Beitrag empfohlen:

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