Die Lüge vom Schülerschwund

Seit Jahren begründen die Schulpolitiker aller Parteien, dass wegen des Rückgangs der Geburtenzahlen Schulschließungen zumindest in geringem Umfang „alternativlos“ seien.

BildGerne wird dabei zum Beispiel behauptet, dass die Schülerzahlen sich in den letzten Jahren dramatisch verändert hätten und in Zukunft weiter sinken würden. Wenn man einer aktuellen Statistik des Schulministerium NRW Glauben schenken darf, besuchen derzeit mehr Kinder die Primarschulen (Grund- und Förderschulen) als in den Jahren 1982 bis 1988. Und nach einer leichten Abnahme in den kommenden Jahren wird die Anzahl der Schüler in diesem Bereich bis zum Jahr 2030 auch wieder steigen.

Klassenstärke Vergleich Länder BRD 2011

Klassengröße NRW Entwicklung

Klassengröße NRW Entwicklung

Seit Jahren fordern die jeweils in der Opposition sich befindenden Bildungspolitiker, dass die Größe der Klassen reduziert werden müssten. Tatsächlich ist es aber so, dass z.B. im Schuljahr 1985/86 die durchschnittliche Klassengröße in den Grundschulen NRWs bei 21 Schülern lag. Im Jahr 2010/11 liegt sie um mehr als 2 Kinder höher bei 23,1 Schülern pro Klasse. Damit liegt NRW noch weit über dem Bundesdurchschnitt von derzeit 21,1 Schülern pro Klasse. Nordrhein-Westfalen ist damit das Land mit den größten Grundschulklassen noch hinter Berlin mit 23 Kindern pro Klasse. Würde man NRW als Flächenland aus der Statistik heraus rechnen und dem übrigen Bundesgebiet gegenüberstellen, sähen die Zahlen mit 23,1 (NRW) zu 20,5 (Bundesgebiet ohne NRW) noch schlechter aus.

Wenn man sich nun noch vor Augen führt, dass sich der Anteil der Kinder aus Familien, in denen Deutsch nicht als Muttersprache gesprochen wird, in den letzen 30 Jahren erheblich erhöht hat, wird man vermuten dürfen, dass auch die Qualität des Unterrichts darunter gelitten haben dürften. Lag die Zahl der nichtdeutschen Kinder im Jahr 1986 in den Grundschulen noch bei ca. 14 Prozent, kommen aktuell ca. 32 Prozent der Kinder in den Grundschulen aus Familien mit „Migrationshintergrund“.

Entwicklung Migranten Grundschule NRW

Entwicklung Migranten Grundschule NRW

Bei der Diskussion um die geplanten Schließungen darf auch nicht vergessen werden, dass in Bochum in praktisch allen Grundschulen der „offene Ganztag“ angeboten wird. Das heißt in den letzten Jahren wurden zu einem nicht unerheblichen Teil ehemalige Unterrichts- und Nebenräume für die Betreuung und Beköstigung der Schüler aus dem Unterrichtsbetrieb herausgenommen. Wer sich vor Ort die Schulen ansieht, wird in vielen Fällen zu kleine bzw. fehlende Klassen- und Fachunterrichtsräume vorfinden.

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Ein Gedanke zu “Die Lüge vom Schülerschwund

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